Kastration




WELCHE GRÜNDE GIBT ES, (S)EINEN HUND KASTRIEREN ZU LASSEN?

Hier möchte ich nicht auf medizinische Indikationen oder sonstige Erkrankungen des Tieres eingehen.
Das liegt in der Verantwortung des Tierarztes und sollte auch ausführlich mit diesem besprochen werden.
Hier geht es um Kastrationen, die ohne medizinische Indikation geplant oder angedacht werden.
Die häufigste Motivation von Hundehaltern über eine Kastration nachzudenken ist das Aggressionsverhalten des Hundes gegenüber Artgenossen.
Dicht gefolgt von der Sorge, der Hund könne an einer Gebärmutterentzündung oder einer tumorösen Entartung der Gesäugeleiste erkranken.

WELCHE GRÜNDE SPRECHEN GEGEN EINE KASTRATION?

Im Falle der Aggression gegen Artgenossen darf die Kastration nicht an Stelle eines guten Trainings durchgeführt werden. Nicht jedes Aggressionsverhalten ist sexueller Natur.
Hier gilt es, das Verhalten gut zu beobachten und von einem qualifizierten Trainer/Psychologen/Verhaltenstherapeuten beurteilen zu lassen.
Hat die Aggression eine andere Ursache als den hohen Testosteronspiegel (und das ist überwiegend der Fall), wird eine Kastration keine Abhilfe schaffen,
sondern kann das Problem sogar verstärken.
Die Sorge vor Erkrankungen an den Geschlechtsorganen ist nachvollziehbar und verständlich.
Fraglich ist jedoch, ob ein gesundes Organ aus einem gesunden Körper entnommen werden sollte, um die Möglichkeit einer Erkrankung zu minimieren.
Hier ist genau zu prüfen in welchem Verhältnis das Risiko zur Erkrankung (Es gibt Hinweise darauf, dass nicht die natürlichen Hormone des Hundes,
sondern zu proteinreiches Futter, zu hohes Körpergewicht im ersten Lebensjahr und das Unterdrücken von Läufigkeitszyklen durch Hormongaben das Entstehen von Gesäugetumoren auslösen)
gegen das Risiko der Operation (Narkose, Wundinfektion, Komplikationen, Schmerz“tagebuch“ des Hundes) und den Folgen der Kastration (mögliche Inkontinenz bei 20-30% der
kastrierten Hündinnen, Welpenfell, schnellere Gewichtszunahme, mögliche gesteigerte Aggression) steht.

DIE FRÜHKASTRATION

Immer häufiger begegnen mir Hunde, die bereits sehr früh, d.h. im Alter von wenigen Monaten kastriert wurden.
Diese Hunde sind weder körperlich noch geistig ausgereift zum Zeitpunkt der Kastration. Durch die Entnahme der Keimdrüsen wird dieser Reifeprozess unwiderruflich gestoppt.
Die Hunde bleiben in einem mentalen Junghundestatus. Das bedeutet für sie, dass sie von anderen Artgenossen oft nicht als erwachsenes Tier angesehen und ernst genommen werden.
Die fehlenden Hormone haben zur Folge, dass die Wachstumsfugen in den Röhrenknochen sich zu langsam schließen. Dieses führt u.U. zu einem gestörten Gangbild und in Folge zu
Haltungsschäden und Arthrosen. Bei großen Rassen ist die Gefahr eines Osteosarkoms bei kastrierten Hunden deutlich höher als bei unkastrierten.

WELCHE VERHALTENSWEISEN KÖNNEN DURCH EINE KASTRATION NICHT BEEINFLUSST WERDEN?

Jegliches (Aggressions)verhalten, das nicht sexuell ambitioniert ist, Wachsamkeit oder Jagdverhalten sind Beispiele für unerwünschte Verhaltensweisen,
die sich durch eine Kastration nicht verbessern werden.
Im Gegenteil kann sogar die Angstaggression verstärkt werden, da das stimmungsregulierende Hormon fehlt.
Östrogen wirkt im Allgemeinen aktivierend. Die hemmenden, müde machenden und auch angstlösenden Botenstoffe wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) werden durch Östrogen vermindert,
während aktivierende Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Glutaminsäure eher verstärkt arbeiten. Serotonin wird auch als „Glücksbotenstoff“ bezeichnet. Eine zu
geringe Menge an Serotonin im Gehirn kann zu Depressionen und Angsterkrankungen führen.
Hohe Dopaminspiegel wirken euphorisierend, Noradrenalin wirkt antreibend und hebt die körperliche Aktivität und die Stimmung.
Testosteron ist das männliche „Glückshormon“ analog dem Östrogen bei Frauen.

Bei der vermeintlichen Dominanzaggression ist vor einer Kastration zu überprüfen, ob nicht eher etwas in der Beziehung zwischen Mensch und Hund schief gelaufen ist,
das sich mit einer Kastration auch nicht verändern würde.
Ebenso die als häufig unangenehm empfundenen „Macho“verhaltensweisen wie z.B. ständiges Markieren (möglicherweise sogar im Haus), Aufreiten, Imponierverhalten gegenüber anderer
Rüden oder das Herumstreunern in der Nachbarschaft werden mit einer Kastration nicht mit wegoperiert.

Die Bielefelder Studie von Heidelberger und Unshelm bestätigt was auch andere Studien bereits zeigten:
Hinsichtlich des Verhaltens und der körperlichen Entwicklung bringt die Kastration keine Vor-, sondern eher Nachteile für den Hund.

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