Markierungsverhalten



BEDEUTUNG: DURCH EIN ZEICHEN KENNTLICH MACHEN; ETWAS ANZEIGEN, KENNTLICH MACHEN; HERVORHEBEN, BETONEN (LT. DUDEN)


Hundebesitzer kennen es alle: Man geht mit dem Hund spazieren und alle paar Meter bleibt der Hund stehen, schnüffelt mehr oder weniger ausgiebig an einer Stelle,
hebt das Bein und setzt einige Tropfen Urin auf die Stelle ab.
Besonders beliebte Markierungsstellen sind Baumstämme, Mauern, Büsche, Steine oder Laternenpfähle.
Eben alles, was sich dafür eignet, den Urin an erhöhter Stelle zu positionieren.
Gerade Hunde kleiner Rassen veranstalten Handstände mit akrobatischer Höchstleistung, um möglichst hoch ihre Geruchsstoffe zu platzieren.
(Ob sie dadurch größer wirken möchten oder aber nur sicherstellen möchten, dass der Geruch möglichst weit wahrgenommen wird, ist nicht eindeutig klar.)
Oder aber es wird Kot abgesetzt an einer strategisch wichtigen Stelle.
Möglichst etwas erhöht, eventuell sogar auf Wegkreuzungen. Häufig folgt auf das Markieren ein ausgiebiges Scharren mit den Hinterläufen.
Das Markierverhalten beginnt mit der Geschlechtsreife.

WARUM TUT DER HUND DAS?

Markierungsverhalten ist in erster Linie ein Kommunikationsmittel, das für den Hund als soziales Wesen sehr wichtig ist.
Vor allem Urin und Kot werden als visuelle und olfaktorische Markierung benutzt.
Ein Hund besitzt zwischen 125 und 220 Millionen Riechzellen (Vergleich: Der Mensch besitzt lediglich 5 Millionen).
Durch das Markieren geben die Hunde etliche Informationen über sich selbst an Artgenossen weiter.
Beispielsweise über ihr Alter, ihren Gesundheitszustand, den Zeitpunkt, zu dem sie an dem Ort waren,
ob sie männlichen oder weiblichen Geschlechts sind und ob sie gerade läufig sind/werden.
Es handelt sich also bei unseren Haushunden eher nicht um ein Abstecken des eigenen Territoriums, sondern in erster Linie um klassische Kommunikation.
Weiterhin wird durch chemische Botenstoffe (Pheromone) beim Empfängerhund eine physiologische Reaktion ausgelöst.
So dient er beispielsweise als Lockstoff für Sexualpartner. Bei Rüden kann man häufig beobachten,
wie sie nach dem ausgiebigen Schnüffeln an einer von einer Hündin markierten Stelle die obere Lefze hochziehen und das Maul leicht geöffnet halten,
die Zunge schaut dabei etwas heraus. Oder aber sie „klappern“ mit den Zähnen.
Durch dieses Verhalten werden die Geruchsstoffe in das sogenannte Jacobson Organ transportiert, welches für die differenzierte geschmackliche und olfaktorische Wahrnehmung verantwortlich ist.
Da Pheromone auch eine beruhigende Wirkung auf Hunde haben, kann man gelegentlich beobachten, dass gerade unsichere/ängstliche Hunde an ihrem eigenen Kot/Urin riechen
und teilweise auch in ihre eigenen Liegestätten urinieren.
Das Markieren einer Stelle kann aber auch die Zusammengehörigkeit demonstrieren. So kann man beobachten, dass Hunde in einer Gruppe nacheinander die gleiche Stelle markieren,
ohne hierbei irgendwelche Imponiergesten oder ähnliches zu zeigen, sondern im Gegenteil ganz entspannt dabei sind.
Sie zeigen deutlich ihre Zugehörigkeit zur Gruppe und markieren einen Ort des Zusammenhaltes.

Manche Hunde zeigen auch Markierverhalten bei Begrüßungen, wenn sie auf einen vertrauten Artgenossen treffen. Der eine Hund uriniert an einer Stelle, der andere markiert diese
Stelle ebenfalls. Es wird noch einmal daran gerochen, um dann evtl. erneut zu markieren oder aber einfach weiterzugehen. Auch hier werden wichtige Informationen über die eigene
Befindlichkeit an den anderen Hund weitergegeben.
Trifft ein Rüde auf einen unbekannten anderen Rüden, kann es ebenfalls zu Markierverhalten als Imponiergeste kommen.

MARKIEREN NUR RÜDEN?

Nein. Markierungsverhalten zeigen alle Hunde, egal ob Hündin oder Rüde.

WARUM MARKIERT DER HUND IM HAUS?

Hierfür gibt es zahlreiche Gründe.
War der Hund bislang stubenrein und das Markieren hat erst später begonnen, so sollte als erster Schritt der Gang zum Tierarzt gemacht werden.
So werden bspw. zwischen 10 und 30% aller kastrierten Hündinnen nach durchschnittlich 3 bis 5 Jahren nach der Kastration inkontinent.
Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus, Tumore, Polypen, Harnsteine oder auch ein Bandscheibenvorfall können Grund für eine Inkontinenz sein.
Sind jedoch gesundheitliche Gründe vom Tierarzt eindeutig ausgeschlossen worden, so sind die Gründe oftmals psychischer Natur.
Wie schon erwähnt, beinhaltet der hündische Urin Pheromone, welche beruhigend auf den Hund wirken.
Möglicherweise versucht der Hund, sich selbst mit diesem Verhalten zu beruhigen, weil etwas passiert ist, was ihm Stress bereitet.
Das kann ein Umzug in eine neue Wohnung sein, plötzlich wechselnde Arbeitszeiten des Hundehalters, ein neuer zwei- oder vierbeiniger Mitbewohner,
ein Erlebnis auf dem letzten Spaziergang und vieles mehr.
Auf keinen Fall aber hat es etwas mit „Dominanz“ zu tun.
Im Gegenteil: Der Hund hat ein echtes Problem, welches er mit diesem Verhalten zu kompensieren versucht.
Werden nun Ratschläge umgesetzt wie „man muss ihm jetzt zeigen wer der Chef ist, der will damit sagen, dass alles ihm gehört“, macht man das Problem damit nur noch schlimmer.
Leider hält sich dieser Irrglaube hartnäckig weiter, doch sei an dieser Stelle ganz klar gesagt, dass Hunde nicht die Weltherrschaft an sich reißen möchten,
sondern im Gegenteil auf die Fürsorge und liebevolle Führung von uns Menschen angewiesen sind.

Sollte dein Hund plötzlich anfangen, im Haus zu markieren oder sich gar auf seiner Liegestätte lösen, solltest du unbedingt einen guten Trainer/Tierpsychologen aufsuchen,
um das Problem an der Wurzel zu lösen und nicht einfach die Symptomatik (nämlich das Urinieren als solches) unterbinden.
Das Urinieren sollte auf gar keinen Fall unter Strafe gestellt werden, da es in keinster Weise das Problem deines Hundes löst, sondern ihm nur ein neueres schafft.

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